Falls der Begriff für dich noch neu ist: Der Boogieloop kombiniert einen Kiteloop mit einer Rotation. Du springst eine invertierte Frontroll und steuerst den Kite gleichzeitig entgegen deiner Fahrtrichtung in einen Kiteloop.
Auf den ersten Blick mag dir der Schwierigkeitsgrad vielleicht hoch vorkommen. Zugegeben, der Boogieloop hat im Kitesurfen vor nicht allzu langer Zeit bei Events wie King of the Air noch für ordentlich Punkte gesorgt. Wenn du ihn aber smart angehst und nichts überstürzt, lässt er sich sehr sicher lernen.
Moderne und innovative Kites sowie ein immer besseres Verständnis der Sprungmaterie führen dazu, dass das Big-Air-Niveau auch im Amateurbereich immer weiter steigt. Genau hier setzen wir jetzt an: Step by Step zum Boogieloop mit unseren Pro-Tipps aus jahrelanger Coaching-Erfahrung, die wir selbst gerne vor unseren ersten Versuchen gekannt hätten.
Hier vorab die wichtigsten Punkte. Keine Angst, die ausführliche Erklärung gibt’s im Anschluss.
- Dein Absprung ist vertikal, und du leitest eine invertierte Frontroll (über Kopf) ein.
- Gleichzeitig steuerst du einen Kiteloop entgegen deiner Fahrtrichtung.
- Die Fronttube deines Kites zeigt nach unten, wenn du vollständig über Kopf bist. Der Kiteloop ist zur Hälfte durchgezogen.
- Du kommst aus der Rotation heraus, während dein Kite wieder nach oben steigt.
- Ein sauberer Landeloop setzt dich kontrolliert und weich auf dem Wasser ab.
Wie kommst du (sicher) zum Boogieloop?
Wie bei fast jedem neuen Trick brauchst du – und vielleicht gerade bei diesem Trick – eine kleine Portion Mut. Hör dabei auf dein Bauchgefühl. Überstürz nichts und geh den Trick erst an, wenn du dich wirklich bereit fühlst.
Das Warten auf die richtigen Bedingungen zahlt sich zudem aus, da sie dir bei deinen ersten Versuchen enorm helfen. Konstanter Wind gibt dir die Sicherheit, die du für deine ersten Versuche brauchst. Zu starker oder sehr böiger Wind hingegen kann dir das Leben erheblich schwerer machen.
Diese Basics solltest du vorab sicher beherrschen
- Hohe Kiteloops, die dich sicher fangen (versteht sich von selbst).
- Hohe, kontrollierte Inverted Frontrolls – schnell übersehen, aber absolut wichtig.
- Kannst du die Inverted Frontroll auch mit einem Send Jump? Für uns war das ein echter Game Changer. Dabei lernst du, mit dem „Freefall“ nach dem Loop und Heliloops umzugehen. Beides wird dir bei deinen Boogieloops helfen.
- Landeloops für eine weiche Landung. Am besten in beide Richtungen. Landeloops in allen Bedingungen helfen dir, falls der Kite nach dem Trick mal nicht dort steht, wo du ihn erwartest.
Wir coachen dich mit Freude persönlich
Du brauchst noch den letzten Feinschliff oder hängst an einer Stelle fest? Dann komm mit uns zum nächsten Camp nach Kapstadt oder Brasilien. Gemeinsam arbeiten wir an deinen Tricks, pushen dich im Big Air und sorgen dafür, dass du mit noch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen aufs Wasser gehst.
Setup und Bedingungen – so bereitest du dich optimal vor
Die Auswahl des Kites
Grundsätzlich kannst du den Boogieloop mit jedem Kite lernen. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede, die deinen Lernprozess beeinflussen (unser Tech-Herz kommt dabei schon mal ins Flattern). Um es einfach zu halten, konzentrieren wir uns aber mal auf die zwei gängigsten Kite-Typen:
5-Strutter (Big-Air-Kites)
Mit diesen Kites sind deine ersten Versuche möglich, aber sie sind anspruchsvoller. 5-Strut-Kites sind auf Big Air ausgelegt und bieten viel Lift, hohe Fluggeschwindigkeit und eine lange Hangtime. Der Nachteil liegt im großen Drehradius und der geringeren Drehgeschwindigkeit. Dadurch entsteht ein stärkerer Zug im Kiteloop und der Kite steigt später wieder nach oben.
3-Strutter (Freeride-/Allround-Kites)
Diese Kites helfen dir, deine ersten Versuche einfacher und sicherer zu machen. Du hast etwas weniger Lift und Hangtime, profitierst aber von einem deutlich kleineren Drehradius und einer schnelleren Drehgeschwindigkeit. Der Kite loopt schneller durch und fängt dich früher, was gerade bei den ersten Boogieloops ein großer Vorteil ist.
Kitegröße und Windbereich: Go big or go home?
Jetzt, wo du weißt, welchen Kite du verwenden solltest, stellt sich dir vielleicht die Frage: „Wie groß sollte mein Kite nun sein?“ Für deine ersten Boogieloops möchtest du nicht überpowert sein, brauchst aber genug Druck im Kite, um Höhe aufzubauen. Du solltest ausreichend Power haben, um kontrolliert und hoch zu springen. Gleichzeitig darf dich der Kiteloop nicht unkontrolliert nach vorne ziehen und dich in die Stratosphäre „yanken“ (das Wort benutzen wir, wenn es uns im Kiteloop so richtig wegkatapultiert).
Ein kleinerer Kite ist hier meist die bessere Wahl. Er loopt schneller und steigt früher wieder auf, um dich zu fangen. Durch die höhere Drehgeschwindigkeit entwickelt er jedoch auch eine stärkere Kraftentfaltung im Loop. Als Orientierung empfehlen wir je nach Körpergewicht eine Kitegröße zwischen 7 und 9 Quadratmetern bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 25 Knoten.
NEUE PODCAST FOLGE
Big Air für Beginner // Alles was du am Anfang wissen musst
Wie startet man eigentlich mit Big Air? Unsere Coaches Henrik und Lukas nehmen dich mit auf ihre persönliche Reise und erzählen dir, wie du in die Welt von Big Air einsteigst, mit welchen Tricks du beginnen solltest und was sie im Rückblick vor ihrem eigenen Start gerne gewusst hätten.
So kannst du abliefern: Dein erster sicherer Boogieloop
Jetzt wird es ernst. Wenn deine Basics sitzen und die Bedingungen passen, kannst du deinen ersten Boogieloop angehen. Unsere größten Learnings:
Der Take-off
Keine halben Sachen. Geh mit ordentlich Leinenspannung in einen blitzsauberen, vertikalen Absprung. Ist dein Take-off nicht vertikal, fehlt dir die nötige Leinenspannung. Der Kiteloop erzeugt dann zu viel Vorwärtszug und bringt dich unkontrolliert auf Geschwindigkeit. Das endet oft in einer harten Landung.
Dein Fokus liegt daher nicht auf maximaler Höhe, sondern auf einem präzisen Absprung.
Die Rotation
Mit einem sauberen Absprung leitest du direkt die Frontroll-Rotation ein. Eine saubere Technik ist hier entscheidend, damit deine invertierte Frontroll langsam und kontrolliert bleibt. Es gilt ganz klar: Kein „Spin to Win“! Achte darauf, invertiert, also über Kopf, zu rotieren. Während du aufsteigst, positionierst du deinen Kite sauber auf 12 Uhr und hältst ihn zunächst dort.
Das Visualisieren
Jetzt gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und bleiben bei der Inverted Frontroll.
Du springst sie bereits mit ausreichend Höhe – perfekt. Halte deinen Kite auf 12 Uhr und konzentriere dich auf deine kompakte Körperhaltung sowie deine Core-Muskulatur. Hier entsteht deine gesamte Körperspannung. Du bist vollständig invertiert. Dein Board befindet sich über dir und du hängst kopfüber unter dem Kite.
Stell dir jetzt den Moment vor, in dem der „Yank“ des Kites einsetzt.Du hältst dem Zug Stand und spürst, wie der Loop dich in deiner Rotation unterstützt. Der Kite sollte dabei bereits etwa zur Hälfte durch den Kiteloop gezogen sein.
Wiederhole dieses Bild einige Male in deinem Kopf. So entwickelst du schon vor dem ersten echten Boogieloop ein Gefühl für den Bewegungsablauf. Visualisierung ist im Kitecoaching und beim Lernen neuer Tricks extrem wertvoll.
Olsen hat auf diese Weise in Brasilien seine ersten Boogieloops in kürzester Zeit gelernt. Manche munkeln sogar beim ersten Versuch.
Also nimm dir die Zeit und trainiere den Trick vor deinem inneren Auge.
Den Loop initiieren
Am höchsten Punkt deines Sprungs solltest du etwa ein Viertel bis ein Drittel deiner Frontroll rotiert haben. Genau jetzt leitest du den Kiteloop ein. Ziehe die Bar komplett an und lenke sie vollständig ein. Das richtige Timing ist hier entscheidend.
Loopst du zu früh, kann der Kite deine Rotation stoppen. Du bleibst über Kopf hängen und es wirft dich auf den Rücken. Loopst du zu spät, verstärkt der Zug des Kiteloops deine Rotation und du überdrehst. Triffst du jedoch den perfekten Moment, entsteht dieses einzigartige Gefühl, das Boogieloops so besonders macht.
Ein gutes Timing beim Kiteloop wird oft unterschätzt. Direkt nach dem Take-off ist die Leinenspannung am höchsten und nimmt bis zum Peak langsam ab. Orientiere dich deshalb am höchsten Punkt deines Sprungs. Dort wird der Loop kontrollierbarer, ohne zu viel Zug zu erzeugen. Achte aber darauf, nicht zu spät zu loopen, damit der Kite dich noch sauber auffangen kann.
Während des Loops
Jetzt steckst du mitten im Boogieloop. Den Loop selbst kannst du dir wie einen klassischen Kiteloop vorstellen. Körperspannung ist hier entscheidend. Spanne deine Körpermitte an, bleibe kompakt und gehe über Kopf in eine leichte Stuhlposition
Der Zug des Kiteloops sollte genau dann einsetzen, wenn du kopfüber stehst und etwa die halbe Rotation geschafft hast. Je nach Kite passiert das oft, wenn die Fronttube Richtung Wasser zeigt. Passt das Timing, bleibt der Zug kontrollierbar und du kannst deine Rotation entspannt zu Ende bringen.
Merke dir: „If you are in trouble, tuck for a double!“ Wenn du die Kontrolle verlierst, bleib kompakt und gehe mit der Rotation, statt dagegen zu arbeiten.
Nach dem Loop
Für dich sieht es während des Boogieloops so aus, als würde der Kite zwei Loops fliegen. Umso wichtiger ist es, die Orientierung zu behalten. Behalte also deinen Kite im Blick und ziehe den Loop sauber zu Ende – aber nicht zu weit. Am Ende kommst du aus der Rotation heraus und dein Kite zeigt wieder nach oben.
Jetzt schiebst du die Bar aktiv nach vorne. Das sorgt für zwei Dinge: Du wirst langsamer und stoppst deine Rotation. Dein Kite fliegt maximal schnell zum Windfensterrand und kann dich so sauber auffangen.
Die Landung
Fast geschafft: Dein Kite fängt dich und du leitest einen sauberen Landeloop ein. Dadurch reduzierst du deine Fallgeschwindigkeit und sorgst für eine kontrollierte Landung. Dein Board zeigt wie gewohnt leicht Richtung downwind und du fährst das Ganze entspannt aus.
Kommt dein Kite nach dem Kiteloop doch einmal zu früh oder zu spät heraus, solltest du Landeloops intuitiv in beide Richtungen beherrschen. Wichtig ist, dass der Kite wieder nach vorne kommt. Wir reden hier also nicht von einem vollständigen Heliloop, der komplett herumdreht, bevor du mit dem Brett aufsetzt. Bei den ersten kleineren Boogieloops kann der Landeloop auch erst während der Landung eingeleitet werden. Hauptsache, du fährst nicht einfach unter dem Kite durch.
Du hast es geschafft? Dann wollen wir alles wissen und mit dir feiern. Wie hat er sich angefühlt? Wie viele Versuche hat es gebraucht? Schreib uns und teile deine Erfahrung – wir lieben Progress und freuen uns über jeden Fortschritt.
Erzähl uns von deinem ersten Boogieloop!
LakeUnited Pro-Tipps für dein Kiteloop-Training
Jetzt, wo du die ganze Theorie hinter dem Boogieloop kennst, geht es ins Feintuning. Mit diesen Anpassungen holst du das Maximum aus deinem Setup heraus.
Trimme den Kite zu deinem Vorteil
Hast du dir deinen Kite schon mal genauer angeschaut? Bei den allermeisten Kites findest du verschiedene Möglichkeiten, deine Bar anzuknüpfen. Diese Einstellmöglichkeiten beeinflussen mal mehr, mal weniger die Flugeigenschaften deines Kites und können dir bei deinen Boogieloops helfen.Dein Fokus liegt daher nicht auf maximaler Höhe, sondern auf einem präzisen Absprung.
Depower gezielt einsetzen
Über die Depower-Einstellung kannst du beeinflussen, wie eng dein Kite loopt. Ein kleinerer Loop hat zwei Vorteile.
- Die Kraftentfaltung im Loop ist zwar explosiver, aber auch schneller vorbei.
- Der Kite beendet den Loop schneller und kann früher wieder aufsteigen.
Anknüpfpunkte richtig nutzen
Den Drehradius deines Kites kannst du über Anknüpfpunkte an den Tips anpassen. In der Regel stehen dir zwei bis drei Optionen zur Verfügung. Diese Einstellung beeinflusst drei Dinge: Drehradius, Bardruck und Depower.
Die Einstellmöglichkeiten kannst du wie folgt interpretieren:
- Veränderung Richtung Tip: größerer Drehradius, geringerer Bardruck, mehr Depower
- Veränderung vom Tip weg: Kleinerer Drehradius, Höherer Bardruck
Weniger Depower
Mythos: Kite schneller trimmen
Am Spot hört man oft, dass man den Kite über die Anknüpfpunkte „schneller“ machen kann. Das ist so nicht korrekt. Du veränderst den Drehradius des Kites. Dein Kiteloop wird nun schneller herumdrehen, die Fluggeschwindigkeit deines Kites bleibt jedoch unverändert.
… eine Sache ist noch wichtiger als Technik und Timing: Hab Spaß auf dem Wasser. Schnapp dir deine Buddys, pusht euch gegenseitig und genießt die gemeinsame Session. Neue Tricks lernt man zusammen oft am schnellsten. Genau deshalb lieben wir unsere Camps. Gemeinsam kiten, gemeinsam lernen und gemeinsam neue Tricks landen. Schau doch mal vorbei, vielleicht ist dein nächstes Kite-Abenteuer schon dabei.