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Kitesurfen bei Starkwind

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Kitesurfen mit (zu) viel Druck im Kite? Ein Kite mit 10 Quadratmeter und Wind mit 40 Knoten. Ist machbar und kann sogar Spaß machen. Wir dürfen es natürlich nicht empfehlen, es kann aber auch einmal passieren. Meist kommt es überraschend und dann ist man maßlos überpowert und wahrscheinlich auch überfordert. 

Mit diesen wertvollen Tipps meisterst du zukünftig die Situation „massiv überpowert am Kite“ ein wenig besser. 

 

Bei meiner letzten Kite- Session habe ich es verabsäumt die Windprognose zu checken. Eigentlich wollte ich an diesem Tag ins Office fahren um einiges abzuarbeiten. Doch Sonnenschein und massiv Wind am See haben mein Vorhaben geändert. So bin ich dann kurze Zeit später massiv überpowert am Duotone Rebel in 10qm gehangen. Und: es war gut so! Denn so eine geniale Session mit unglaublichen Höhenflügen hatte ich am See schon lange nicht mehr. 

Warum war es gut? Weil ich zu jedem Zeitpunkt alles unter Kontrolle hatte, trotz starken Böen mit Spitzen um die 40 Knoten. 

Wie man die Kontrolle behält und was man in dieser speziellen Situation beachten sollte, liest du im folgenden Beitrag. Bitte: dieser Artikel ist keine Aufforderung um dich im „Überpower Bereich“ zu probieren. Dies hat immer noch viel mit der Selbsteinschätzung und Hirn zutun. 

Überpower beim Starten - "Heast, ruhig bleiben"

Ruhig bleiben als Anweisung ist natürlich leicht gesagt, aber hilfreich für viele Situationen. Wie bewahrst du eigentlich Ruhe? Ich bin der Meinung, man sollte sich vorab immer wieder mit gewissen (Not-)Situationen beschäftigen, und diese im Kopf durchspielen. Gerade bei überraschend aufkommenden, stärkeren Winden (z.B.: heftige Böen) sind schnelle, aber ruhige Entscheidungen wichtig. Etwaige Fehler bekommt man schnell zu spüren. 

Am Land bzw. beim Starten wird es schnell einmal ungemütlich, wenn die Situation außer Kontrolle gerät. Viele KiterInnen habe ich schon maßlos überfordert am Kite hängen sehen, wenn der Wind auffrischt oder der Kite zu groß gewählt wurde. Und zu 99% reagieren die Personen dann falsch. 

Tipps für den sicheren Start

  • Gerade am See wichtig: dreh dich bei Starkwinden vor dem Starten des Kites um. Man erkennt heftige Böen an der Wasseroberfläche. Es gibt definitiv schlechte Situationen um den Daumen nach oben zu zeigen.
  • Checke nochmal dein Quickrelease und denke vor dem Start daran, dass du eines hast. 
  • Bist du dir eher unsicher, lass dich von anderen KiterInnen am Trapez sichern. Es ist nicht peinlich, sondern einfach vorbeugend. Wenn du die Wahl hast, lass dich von einer vertrauten Person sichern, die sich beim Kiten auskennt. Auch die Person, die dich sichert, muss wissen wann ein Kite zu ziehen beginnt. 
  • Ziehe den Adjuster NICHT komplett durch (voll gedepowert). Ein Kite der komplett gedepowert ist reagiert einfach schei*** auf Lenkimpulse und du erhältst kaum Feedback an der Bar. Adjuster ziehen beim Starten ja, aber bitte nicht komplett. Ist der Kite zu groß bewirkt man mit einem gezogenem Adjuster auch keine Wunder. 

 

  • Lenke den Kite NICHT auf 12 Uhr (dies gilt eigentlich nicht nur bei zu viel Druck im Kite). Wenn dir die Böe einfährt und du ein bisschen an der Bar ziehst geht es nach oben. Fühlt sich komischerweise an Land nicht so gut an, wenn es unkontrolliert wird. Außerdem kannst du bei zu viel Druck im Kite kaum zurück gehen, weil es immer wieder nach oben geht und du auf Zehenspitzen daher kommst. Behalte also den Kite seitlich am Windfensterrand. Zieht es dich dann weg, wenigstens nur seitlich und nicht nach oben. Fühlt sich besser an, glaub mir. 
  • Arbeite mit viel Gefühl an der Bar, greife mittig und vermeide starke Lenkimpulse. Im Überpowerbereich brauchen wir den Kite nicht schnell mit viel Geschwindigkeit. Eine hohe Geschwindigkeit hat der Wind an sich, da darf der Kite ruhig bleiben. Und oida (als Ausdruck von Ärger), greife niemals! niemals! niemals! in die Leinen um zu lenken. 
  • Bleib ruhig, entspann dich und erzwinge nichts. Ist es zu viel, dann ist es so. Einfach wieder Landen und gut ist es. 
  • Kommt Dynamik in die Sache hast du definitiv verloren. Mit Dynamik meine ich: kommst du ins Laufen, weil der Zug des Kites zu heftig wird, dann ändern sich die Spielregeln und es wird unfair. Meine Empfehlung: Quick Release und zwar schnell. Nur ein geringer Teil der KiterInnen kommt wieder sicher zum Stehen. Und bis dahin, kann verdammt viel passieren.

"Setz dich doch bitte einfach hin"

Zuerst wollte ich das Thema nur kurz anschneiden, aber dann ist die Thematik „setzen“ doch eine größere geworden. Sitzend am Strand kann viele ungute Situationen vermeiden. Warum? 

Setz dich hin! Es klingt komisch, ist es aber nicht. Sitzend kommst du nicht ins Laufen, und das ist gut wie wir nun wissen. Aber viel wichtiger: du kannst nicht stolpern. Denn stolperst du passiert folgendes: beim Stolpern hat der Mensch meist eine natürliche Reaktion. Da wandert per Reflex eine Hand von der Bar und versucht den Sturz abzufedern, eine natürliche Sache. (Und ja, es ist immer nur eine Hand die von der Bar wandert). Denn die andere Hand macht das, was Menschen machen wenn sie stürzen: sie versuchen sich irgendwo rettend festzuhalten. Got it? Das ist der Moment wo man andere KiterInnen am Strand vergebens schreien hört: „Auslösen, Aaaaaauuslöööösen…!“ Denn: es wird wieder dynamisch. Festhalten mit einer Hand an der Bar führt höchstwahrscheinlich zu einem ziemlich argen Lenkimpuls, ein Lenkimpuls produziert Geschwindigkeit beim Kite und die brauchen wir ja nicht am Strand bei starkem Wind.

Und spinnt man den Gedanken weiter, stolpert man oft nach vorne und landet am Bauch. Und wo befindet sich das Quickrelease? Mhm, da vergeht viel Zeit die man in der Situation nicht hat. Man kann sich also eigentlich das „Auslösen“ schreien sparen. Die Person am Kite fühlt schon, das etwas nicht stimmt. Kann aber gerade nicht ans Quickrelease denken oder es betätigen. Stolpern ist also nicht zu empfehlen und führt meist zu anderen Notsituationen. Also dran denken: setz dich einfach hin. 

Überraschend am Wasser

Am Wasser gibt es meines Erachtens zwei Möglichkeiten. Draußen bleiben und abwarten oder versuchen an den Strand zu gelangen und zu landen. Wenn ich jetzt an die Sessions bei uns am See denke (mit auflandigem Wind) finde ich es meist sinnvoller am Wasser zu bleiben, als sich der Gefahr am Land auszusetzen. 

Natürlich gilt: Situationen sind immer ein wenig unterschiedlich und man muss die Gefahrensituation sowieso immer für sich selbst bewerten. Solltest du dich dafür entscheiden am Wasser zu bleiben um die Situation auszusitzen (denn oftmals halten heftige Böen nicht lange an), passen die folgenden Tipps. 

 

Tipps am Wasser

 

  • Wie an Land gilt: drehe dich immer wieder um. Man sieht so etwas kommen. Ganz hässlich ist es, wenn Wasser zu fliegen beginnt. „Flugwasser“ (siehe Bild weiter untern) ist oftmals als „weiße Wand“ erkennbar. Rauscht derartiges daher, wird es relativ zeitnah doch recht ungemütlich. 
  • Schnalle dir die Straps am Board, also die Bindung, so fest wie möglich. Du kannst es dir nicht leisten dein Board zu verlieren. 
  • Abstand halten von allen möglichen Gefahrenquellen. Sprich anderen KiterInnen und Bäumen, Steinen etc.
  • Kite eher tief fliegen (nah über dem Wasser). Dann entsteht „nur“ seitlicher Zug, und du kannst die Kante vom Board im Wasser setzen. Lenkst du den Kite nach oben, oder sogar auf 12 Uhr wirst du immer wieder die Kante verlieren weil es dich aus dem Wasser hebt. Wir müssen aber schauen, im Wasser zu bleiben. 
  • Kante, Kante und nochmals Kante. Nun heißt es Gegendruck mit dem Board aufbauen und Schrittempo fahren. Und ja nicht die Kante verlieren, nun dürfen wir wieder keine Geschwindigkeit zulassen. 
  • Überlege dir auch (kommt natürlich auf den jeweiligen Spot an) auf welcher Seite vom Windfenster du den Kite hast. Es wäre nicht ratsam, wenn du nach „draußen“ gezogen wirst. Du musst im Notfall eigenständig an den Strand retour kommen (eventuell sogar ohne Kite). 
  • Bar nach vorne und wieder gilt: langsame ruhige Lenkimpulse. Am Wasser kann man ruhig mehr Adjuster ziehen. Denn: Wir verharren und warten, benötigen kaum Feedback an der Bar und werden definitiv keine Sinuskurven fliegen müssen. 
  • Solltest du dein Board verlieren wird es mühsam. Nun heißt es Bodydragen. Und dies ist schwer überpowert richtig mühsam. Denn ohne Board hast du kaum etwas dagegen zu setzen. Wieder: Kite tief halten damit es dich nicht immer wieder aus dem Wasser hebt und lange Schläge machen. Denn beim Richtungswechsel muss du den Kite über 12 auf die andere Seite vom Windfenster fliegen. Also wirst du wahrscheinlich Höhe verlieren (deswegen zuerst Meter Richtung LUV durch lange Schläge sammeln).
  • Und hilft dies alles nichts, du fühlst dich unwohl und vielleicht überfordert. Benütz dein Quickrelease und lege den Kite in die Safety. Ob du dich dich dann zum Kite hinarbeitest oder nicht, muss in der jeweiligen Situation entschieden werden. Und nein: es ist nicht peinlich.. Du darfst keine Angst vor deinem Sicherheitssystem haben. 
  • Bringe anderen KiterInnen nur das Board, wenn du wirklich sicher bist, was du tust. Es bringt nichts wenn aus einer Person in Not, zwei Personen in Not werden. Auch zu einem ausgelösten Kite hinfahren ist mit großer Vorsicht zu genießen. 

"Prepare for Landing" - die Gefahrensituation

Das Landen kann sich als äußerst gefährlich erweisen. Ich finde bei Wind, wo die Mehrheit der KiterInnen am Wasser eigentlich drüber sind hat es am Strand eine gewisse Hektik und nervöse Stimmung. Nichts unbedingt negatives, denn so sind die Sinne geschärft.  Manchmal führt dieser Stress und die Hektik zu schrägen Entscheidungen (vor allem bei LandehelferInnen). Vorbei ist es erst, wenn sich dein Kite fest umklammert in den Händen eines anderen Menschen befindet, die Leinenspannung weg ist und du ausgehängt bist. Um zu dieser Situation zu gelangen, empfehle ich folgendes: 

 

Tipps für das Landen

  •  Hast du die Möglichkeit schaue, dass alle den Platz haben den sie benötigen um Kites zu landen. Und baue schon vorab Augenkontakt zu Menschen am Strand auf und gib ihnen zu verstehen, dass du landen möchtest.
  • In den meisten Fällen fährt man bei starkem Wind (außer bei ablandigen Bedingungen) mit dem Wind mit (Raum- oder Vorwindkurs). Dann fühlt es sich so an, als hättest du nicht so viel Druck im Kite. Den Druck im Kite wirst du spüren, wenn du zum „stehen“ kommst. Halte also beim Anhalten noch ein wenig Abstand vom Strand. Vielleicht musst du den Strand gar nicht betreten und kannst noch landen, während du im Wasser bist. 
  • Überlege dir im Vorfeld gewisse Zeichen, damit du den Personen am Strand zu verstehen gibst dass sie dich am Trapez sichern sollen. Erfahrene KiterInnen machen derartige Dinge sowieso automatisch. 
  • Kite wieder eher weiter unten also tief halten am Windfensterrand. Nicht auf 12 Uhr. 
  • Board hat vorerst keine Priorität. Und Boards können weit fliegen und ein gewisses Risiko darstellen. 
  • Am Strand: bitte nimm Platz und setz dich hin
  • Nun den Kite langsam am Windfensterrand runter lenken in die Arme der/ des LandehelferIn. Es gibt übrigens viele Personen, die im Stress den Kite an der Abrisskante zuerst angreifen wollen. Dann nichts wie wieder hoch mit dem Kite. Es gilt: Kites nur an der Fronttube anfassen (bei Foil Kites am Tip). 
  • Gelandet und gesichert, Stress für dich vorbei? Dann umdrehen und den anderen KiterInnen helfen. Du wirst wahrscheinlich nicht alleine am Spot sein. 
  • Natürlich kann man vor dem Strand auch das Quickrelease ziehen und den Kite in die Safety legen. Ich gehe davon aus, dass sich andere KiterInnen auf den Weg zu dir machen und deinen Kite nehmen bzw. sichern. 

Laut unserer Rechtsberaterin Frau Rauchwarter (Name wurde von der Redaktion nicht geändert), muss ich noch folgende Dinge erwähnen: Checke immer die Windprognosen, kenne deine eigenen Grenzen und versuche nicht irgendjemandem etwas zu beweisen. Und auch 10qm mit 40 Knoten ist keine Aufforderung zum Nachmachen. Kenne dein Level. 

Fazit: Kiten mit ordentlich Druck im Kite macht einfach Spaß. Je kleiner die Kites werden und je stärker der Wind, umso höher kann man springen. Es gibt allerdings Situationen, da wird es einfach zu viel. Und genau dann ist es wichtig richtig zu reagieren. Beschäftige dich im Vorfeld mit Notsituationen und deinem Sicherheitssystem, lerne den Spot mit gewissen Anzeichen kennen und spiele es im Kopf durch, welche Möglichkeiten und Handlungsspielräume es gibt. Ruhe bewahren, nicht hektisch reagieren und die Geschwindigkeit rausnehmen bzw. keine Geschwindigkeit zulassen. Und trainiere deine Oberschenkel, denn „Kante setzen“ und Gegendruck aufbauen ist eine von den wichtigen Dingen beim Kitesurfen. 

Alle Bilder stammen von „Locker Baumeln“, vielen Dank dafür!

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